Wie werden die Badestellen beurteilt?

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Wie werden die Badestellen beurteilt?

 

Die erste Badegewässer-Richtlinie stammte aus den siebziger-Jahren


Einstufung nach EU-Richtlinie 76/160/EWG (bis 2007)


Die Beurteilung der Badegewässerqualität erfolgte bis einschließlich der Badesaison 2007 gemäß Richtlinie 76/160/EWG auf Grundlage der Messdaten einer Badesaison. Während in der Richtlinie eine lange Liste unterschiedlichster Untersuchungsparameter aufgeführt waren, wurden tatsächlich zur Beurteilung im Wesentlichen die Parameter „fäkalcoliforme Bakterien" und „gesamtcoliforme Bakterien" herangezogen. Die fäkalcoliformen Bakterien sind dabei dem heutigen Parameter E. coli annähernd gleich zu setzen.

Ein Badegewässer wurde als richtlinienkonform angesehen, wenn die Proben 14-tägig entnommen wurden und die vorgegebenen Grenz- und Leitwerte einhielten. Wurden in einer Saison bei 20% der Proben die Richtwerte bzw. bei 5% der Proben die strengeren Grenzwerte überschritten, galt das Gewässer nicht mehr als richtlinienkonform. Wurde die Probenahmefrequenz nicht eingehalten, so wurde das Gewässer als „unzureichend beprobt" eingestuft.

Einstufung nach EU-Richtlinie 76/160/EWG:

Parameter In 80 % der Proben
Leitwerte eingehalten
In 95 % der
Proben
Grenzwerte
eingehalten
> 5 % der
Proben mit
Grenzwertüberschreitung 
  
„Zum Baden gut geeignet"
 
„Zum Baden geeignet"
 
Badestelle „Mangelhaft"
 Gesamtcoliforme Bakterien (cfu/100ml) 500 10000 
 Fäkalcoliforme Bakterien (cfu/100ml) 100 2000 


Regelungen während der Übergangszeit


Die Umstellung der Einstufung der Badegewässerqualität erforderte eine Übergangsregelung. Während dieser Übergangszeit (2008-2010) wurden die Parameter der neuen Richtlinie gemessen (E. coli und intestinale Enterokokken), während die Beurteilung sich noch in Anlehnung an die Vorgängerrichtlinie auf die Messdaten einer Saison stützte. Gleichzeitig wurden die Anforderungen an die Mindestprobenzahl und der Probenahmefrequenz bereits den Neuerungen angepasst.

Die neue Badegewässer-Richtlinie 2006/7/EG der EU findet in der Badegewässerverodnung von 2008 nationale Umsetzung


Die EU hat im Jahr 2006 eine neue Richtlinie[1] für die Überwachung und die Bewirtschaftung der Badegewässer in den Mitgliedstaaten
erlassen. Mit der Umsetzung in nationales Recht hat Baden-Württemberg deshalb eine neue Badegewässerverordnung (BadegVO 2008)[2] formuliert.

Zur Kontrolle der Qualität der Badegewässer werden während der Badesaison (1. Juni bis 15. September) Proben entnommen und analysiert. Die Untersuchungen konzentrierten sich auf zwei mikrobiologische Parameter (E. coli und iEnterokokken), welche auf mögliche fäkale Verunreinigungen hinweisen können.

Gegenüber der bisherigen Regelung werden seit Ende der Badesaison 2011 keine Bewertungen mehr anhand einzelner Messwerte durchgeführt. Die Messung der mikrobiologischen Parameter bildet vielmehr die hygienische Belastung eines Badegewässers in seiner Konzentration und Schwankungsbreite ab. Hierzu werden die Messungen über 4 Jahre betrachtet, welche dann zum Ende einer Badesaison in einer rückblickenden Bewertung münden.

Einstufung (nach BadegVO 2008) anhand mikrobiologischer Parameter auf Grundlage einer 95. Percentilbewertung:

Einstufung nach BadegVO anhand mikrobiologischer Parameter

Parameter Ausgezeichnete
Qualität 
Gute Qualitätausreichende
Qualität
iEnterokokken (cfu/100ml)
200°
 400°
 330*
E.coli (cfu/100ml)
500°
 1000°
 900*
°Auf Grundlage einer 95-Percentilbewertung. * Auf Grundlage einer 90-Percentilbewertung, würde bei einer 95-Percentilbewertung in etwa den Werten 660 für iEnterokokken und 1800 für E.coli entsprechen.

Aus den jährlichen Messungen ergeben sich dann folgende Beurteilungen, welche mit den seit 2011 geltenden Symbolen jeweils zum Ende der Badesaison in einer gedruckten Karte und in einer interaktiven Karte im Internet angezeigt werden. Gewässer welche dabei nicht mindestens ausreichende Qualität für beide Parameter erreichen, werden als mangelhaft eingestuft.

Symbole der EU[3]:

Ausgezeichnete Qualität
Gute Qualität
 Ausreichende Qualität
Mangelhaft
Ausgezeichnete
Qualität
Gute QualitätAusreichende
Qualität
Mangelhaft

Im Rahmen der Überwachung werden die Badestellen darüberhinaus auf sichtbare Verschmutzungen (Abfälle wie z. B. teerhaltige Rückstände, Plastik, Glas u. a.) sowie auf eine eventuelle Massenvermehrung von Algen (z.B. Blaualgen[4]) kontrolliert.

Ausnahmesituationen

In unbelasteten Gewässern liegen die Messwerte meist unterhalb 100 koloniebildender Einheiten (KBE)/100 ml oder sogar unterhalb der Nachweisgrenze, was dann z.B. mit <15 KBE/100 ml angegeben wird. Werden an einer Badestelle für den Parameter Escherichia coli ein Einzelwert von mehr als 1800 KBE/100 ml oder für den Parameter Intestinale Enterokokken ein Einzelwert von mehr als 700 KBE/100 ml festgestellt, so gilt das Badegewässer als zum Baden ungeeignet und das Gesundheitsamt kann ein vorübergehendes Badeverbot aussprechen. Erst wenn die kurzzeitige Verschmutzung beseitigt ist und die Konzentrationen für die o.g. mikrobiologischen Parameter mindestens wieder von ausreichender Qualität sind, kann das Badeverbot aufgehoben werden. Weitere Erläuterungen zur Bewertung der Badegewässer finden Sie auch auf den Seiten des Umweltbundesamtes .

Aktuelle Hinweise und Beurteilungen

Aktuelle Hinweise z.B. zu Badeverboten oder Algenblüten werden unter der Rubrik „Aktuelles“ beschrieben oder z.B. als Symbol „Vom Baden wird abgeraten“ oder „Baden Verboten“ für jede Badestelle in der „Liste der überwachten Badegewässer“ angezeigt. Aktuelle Messwerte für die mikrobiologischen Parameter werden an der Badestelle ausgehängt.

 Vom Baden wird abgeratenBaden verboten
 Vom Baden wird
abgeraten
 Baden verboten

Rechtsverordnungen und Literatur:

  1. Richtlinie 2006/7/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Februar 2006 über die Qualität der Badegewässer und deren Bewirtschaftung und zur Aufhebung der Richtlinie 76/160/EWG
  2. Verordnung des Ministeriums für Arbeit und Soziales und des Umweltministeriums über die Qualität und die Bewirtschaftung der Badegewässer vom 16. Jan. 2008 ; BadegVO ; GBL. S. 48
  3. Durchführungsbeschluß der Kommission vom 27. Mai 2011 zur Einführung eines Symbols zur Information der Öffentlichkeit über die Einstufung von Badegewässern und Badeverbote oder das Abraten vom Baden gemäß der Richtlinie 2006/7/EG des Europäischen Parlaments und des Rates (2011/321/EU).
  4. Empfehlung zum Schutz von Badenden vor Cyanobakterien-Toxinen; Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesund-heitsschutz 2003 • 46:530-538
 

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