Der Oberrheingraben

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Der Oberrheingraben

 

Allgemeine Daten


Reliefdarstellung des
Oberrheingrabens (Christian Röhr,
www.oberrheingraben.de)
Der Oberrheingraben erstreckt sich im geographischen Sinne von Basel im Süden bis zu den Mittelgebirgen im Norden (in etwa bis Mainz), von den Vogesen und dem Pfälzer Wald im Westen bis zum Schwarzwald und dem Odenwald im Osten. Im Rahmen der Interreg-Projekte ist die nördliche Begrenzung des Untersuchungsgebiets die Lauter, welche die Grenze zwischen dem Elsass und der Pfalz bildet und hinter Lauterburg in den Rhein mündet, und der Landkreis Rastatt auf deutscher Seite. Die Längsausdehnung des Untersuchungsgebiets beträgt rheinparallel etwa 170 km, die durchschnittliche Breite etwa 30 km.
Im Projektgebiet liegen damit die Départements Bas Rhin und Haut Rhin, welche zusammen die Région Alsace bilden, die Schweizer Kantone Basel Stadt und Basel-Landschaft und das Bundesland Baden-Württemberg.

Gliederung der Landschaft

Der Oberrheingraben ist Teil des Westeuropäischen Grabensystems, das sich vom westlichen Mittelmeer bis nach Norddeutschland erstreckt. Der Oberrheingraben wurde in den Eiszeiten durch alpine Kiese und Sande verfüllt. Der heutige Rhein hat sich unter Ausbildung einer Talaue in die Niederterrassenschotter eingesenkt. Diese Niederterrasse liegt 5 m bis 18 m über dem Rhein. Eine Besonderheit im Oberrheingraben bildet der zum Teil aus vulkanischem Erguss und Tiefengesteinen bestehende Kaiserstuhl.

Durch die Rheinkorrekturen und die Uferverbauung im 19. und 20. Jahrhundert wurde der Rhein in ein kanalartiges Bett gezwängt. Eine Begleiterscheinung ist die allgemeine Grundwasserabsenkung. Sie führte zum Austrocknen der Altrheinarme in der Markgräfler Rheinebene südlich des Kaiserstuhls und bewirkte eine Verbuschung und Versteppung des ursprünglichen Auewaldes. Das warme und trockene Klima der südlichen Rheinebene begünstigte diese Tendenz.

Nördlich des Kaiserstuhls bis etwa Straßburg grenzen die Stromniederung und die eigentliche Ebene in fast gleicher Höhe aneinander, daher ist das Grundwassergefälle von den Vorbergen zum Rhein hin sehr schwach. Der Grundwasserspiegel liegt deshalb in diesem Teil sehr viel näher an der Erdoberfläche als südlich davon und den nördlich anschließenden Hardtebenen. Den größten Teil dieses Abschnittes nehmen grundwasserfeuchte und zeitweise überschwemmte Niederungen ein. Charakteristisch sind die immerfeuchten mit Auewald bedeckten Rheinniederungen.

Nördlich von Straßburg bildete der Rhein vor der Korrektur große Mäander und änderte seinen Lauf ständig. Bedingt durch den hohen Grundwasserstand und die regelmäßigen Überschwemmungen konnten die flussnahen Flächen nicht landwirtschaftlich genutzt werden, weshalb der ursprüngliche Auewald bis heute weitgehend erhalten blieb. Die angrenzenden höher liegenden trockenen Flächen wurden schon früh landwirtschaftlich bewirtschaftet und sind damit weitgehend waldfrei.

In den links- und rechtsrheinischen Vorbergzonen wurde der Wald ganz vom Kulturland verdrängt, vor allem Obst und Weinbau spielen hier eine wichtige Rolle. Herausragend ist der sich vor der Freiburger Bucht erhebende Kaiserstuhl mit 557 m. Seinen Kern bildet der älteste und bedeutendste unter den süddeutschen Tertiärvulkanen. Charakteristisch ist der ihn nahezu vollständig bedeckende, bis zu 25 m dicke Lößmantel. Die Südhänge in windgeschützten Lagen erreichen die höchsten Temperaturen in Deutschland.

Die alten Grundgebirgsstümpfe des Schwarzwaldes und der Vogesen begrenzen den Rheingraben im Westen und Osten. Im Süden erfolgt der Abschluss durch den steil aufragenden Schweizer Jura. [1]

Landnutzung


Landnutzung im
Oberrheingraben nach
Satellitenbildern aus 2000
Die Zusammensetzung und räumliche Verteilung der Vegetation ist im Projektgebiet in starkem Maße vom Menschen geprägt. Fruchtbare Gebiete haben in früherer Zeit Ackerbau ermöglicht und damit eine dichtere Besiedlung zugelassen. Zur Anlage von Siedlungen, Industrieanlagen und Verkehrswegen wurden Wälder gerodet und Ackerland umgenutzt. Ein großer Eingriff in den Wasserhaushalt des Oberrheingrabens war die Rheinkorrektur durch Tulla. Sie wurde zur Schiffbarmachung des Rheins und damit Erhöhung der Fließgeschwindigkeit sowie zur Eindämmung der großflächigen Überschwemmungen durchgeführt. [1]

Nahezu die Hälfte der Fläche im Untersuchungsgebiet (49%) wird landwirtschaftlich genutzt. Vorherrschend ist der Ackerbau, aber auch Obst und andere Sonderkulturen werden angebaut. Der Wald beschränkt sich heute vorwiegend auf Standorte, auf denen sich die Landwirtschaft in früheren Zeiten nicht durchsetzten konnte, wie z.B. in feuchteren Gebieten entlang des Rheins oder der Ill. Nur etwa 11 % des Untersuchungsgebiets sind von Grünflächen und Wiesen bedeckt. Die größten zusammenhängenden Siedlungsflächen finden sich entlang des Rheins an Stellen, wo Querverbindungen für einen wirtschaftlichen Austausch in Schwarzwald und Vogesen hinein und darüber hinweg sorgen. Die Flächen für Siedlungen und Industrie nehmen einen Flächenanteil von 17 % ein. Der Weinbau ist charakteristisch für den Ost- und Westabfall der Vorbergzone und den Kaiserstuhl, die Reben gedeihen hier bis in 500 m Höhe.

Das Grundwasser im Oberrheingraben

Im Untersuchungsgebiet zwischen Basel und Rastatt deckt das Grundwasser drei Viertel des Trinkwasserbedarfs der Bevölkerung und mehr als die Hälfte des Bedarfs an Industriewasser. Auch die Bewässerung durch die Landwirtschaft erfolgt fast vollständig aus dem Grundwasser. Mehr als drei Millionen Einwohner im Elsass und Baden-Württemberg sind somit von dieser einzigartigen und außergewöhnlichen Wasserressource direkt abhängig, welche ohne vorherige Aufbereitung als Trinkwasser zu verwenden ist, jedoch Verunreinigungen aus Haushalten, der Industrie und der Landwirtschaft ausgesetzt ist.

Die Menge dieses immensen Grundwasservorrats wird auf 45 Milliarden Kubikmeter Wasser geschätzt (die Hälfte des Genfer Sees), der Oberrheingraben ist damit einer der bedeutendsten Grundwasserspeicher in Mitteleuropa. Das Grundwasser fließt in den Kies- und Sandablagerungen im Oberrheingraben großräumig von Süden nach Norden parallel zum Rhein mit einer Geschwindigkeit von ein bis zwei Metern pro Tag. Die Grabenfüllung ist im Mittel rund 70 Meter, bereichsweise bis zu 260 m mächtig. Die Aquiferbasis entspricht den gering leitenden tertiären Tonen und Mergeln. Grundwasser ist meistens bereits wenige Meter unter Gelände vorhanden.



Geologisches Querprofil bei Straßburg (aus "Das Grundwasser im Oberrheingraben", Region Alsace, 1998)

Einige weitere Informationen über das Grundwasser im Oberrheingraben ist in einer Veröffentlichung der Region Alsace in Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) beschrieben, welche auf deutsch über die LUBW, in französischer Sprache über die Région Alsace kostenlos zu bestellen ist (Das Grundwasser im Oberrheingraben - eine elementare grenzüberschreitende Ressource, s. Veröffentlichungsverzeichnis der LUBW).

[1] aus "Grenzübergreifende Luftqualitätsanalyse am Oberrhein" - Interreg II-Projekt, 2000

 

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Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz :