Bade- oder Zerkariendermatitis (Entenbilharziose)

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Bade- oder Zerkariendermatitis (Entenbilharziose)

 

Was versteht man unter einer Entenbilharziose?


In Naturgewässern der gemäßigten Breiten kommt bei Wasservögeln, insbesondere bei Enten, eine Wurminfektion vor, die wegen gewisser Parallelen zur menschlichen Bilharziose, einer tropischen Parasitenerkrankung, auch als Entenbilharziose bezeichnet wird. Dabei finden sich in den Darmgefäßen der Vögel die geschlechtsreifen Parasiten; sie geben Eier ab, die mit dem Vogelkot ins Wasser gelangen. Hier schlüpfen daraus die sogenannten Miracidien oder Wimperlarven, die nun in den Zwischenwirt, verschiedene einheimische Wasserschnecken eindringen. In diesen entwickelt sich ein zweiter Larventyp, die sogenannten Zerkarien oder Gabelschwanzlarven, die zu Tausenden von den Schnecken ins Wasser abgegeben werden. Normalerweise dringen die Zerkarien wieder in die entsprechenden Wirte d.h. Wasservögel ein, wo sie binnen zwei Wochen zu geschlechtsreifen Würmern heranwachsen, womit der Zyklus aufs neue beginnt.

 Entwicklungszyklus der Entenbilharziose

Abb. 1 Entwicklungszyklus der Entenbilharziose (Grafik modifiziert nach: www.pharmawiki.ch)


Welche Symptome können beim Kontakt mit Zerkarien auftreten?

Trotz der auf Wasservögel spezialisierten Zerkarien wird auch der Mensch als Fehlwirt befallen, was an einer recht unspezifischen Wirtsfindung liegt. Die Zerkarien reagieren auf Turbulenzen im Wasser, plötzliche Beschattung und Temperaturdifferenzen. Die Gabelschwanzlarven dringen dabei in die menschliche Haut ein, was jedoch nicht zur eigentlichen Wurminfektion führt. Vielmehr treten hier starke Abwehrreaktionen auf, die unter dem Bild der sogenannten Zerkarien- oder Badedermatitis zur Abtötung der Larven führen. Das unangenehmste Symptom dieser entzündlichen Hautreaktionen ist ein Juckreiz, der schon wenige Minuten nach Eindringen der Zerkarien beginnt, in extremer Form etwa 3 Tage lang anhält, um dann im Verlauf von 10 Tagen allmählich abzuklingen. Sichtbare Hautreaktionen entwickeln sich erst einige Stunden später, in Form von entzündlichen Papeln, die etwa 1-2 cm Durchmesser und 0,5 cm Höhe erreichen konnen. Bei zarter Haut sind die Papeln kleiner, von zum Teil flohstichartigem Aussehen. Darüberhinaus kann es auch zur Bildung wasserklarer Bläschen kommen. Bei Einzelpapeln kann eine Unterscheidung von Insekten- und Milbenstichen schwierig sein. Bei stärkerem Befall wird die Begrenzung der Hauterscheinungen auf die wasserbenetzten Körperteile meist deutlich werden. Die Zerkariendermatitis ist eine völlig harmlose Erscheinung. Sie heilt stets ab, ohne Schaden zu hinterlassen. Beim Auf-kratzen der Haut infolge des starken Juckreizes kann es allerdings zu bakteriellen Sekundärinfektionen kommen. Bei starker Ausprägung der Badedermatitis ist daher ein Arztbesuch zur Behandlung des Juckreizes zu empfehlen.

Gabelschwanzlarve
Typische Hautreaktion der Badedermatitis
 Abb. 2 Gabelschwanzlarve / Zerkarie
(Foto: Trichobilharzia ocellata; Quelle: rz.uni-karlsruhe.de)
 Abb. 3 Typische Hautreaktion der Badedermatitis
(Foto: P. Kimmig, LGA)


Wann und wo muss ich mit einer Badedermatitis rechnen?

Zerkariendermatitiden kommen in ganz Deutschland vor. Am bekanntesten wurde die Erkrankung im fränkischen Raum, wo sie als „Weiherhibbel“ fast den Status einer Berufskrankheit bei Teichwirten hatte. Aber auch im alemannischen Raum sind die Infektionen als „Hundsblattern“ bekannt.

Früher traten die Infektionen in Baden-Württemberg nur sporadisch auf, seit den achtziger Jahren sind sie jedoch in der Rheinebene und am Bodensee häufiger zu beobachten. Die Hauptschwärmzeit der Zerkarien liegt in den Monaten Juli und August oberhalb von 24°C Wassertemperatur. Besonders Gewässer oder Badestellen mit einem hohen Wasservogelbesatz sind dann eher zu meiden.

Das Auftreten von Badedermatitiden hat nichts mit der Wasserqualitat zu tun sondern ist ein völlig natürliches biologisches Phänomen. Eine umweltverträgliche Methode zur Bekämpfung dieser Parasiten existiert derzeit jedoch nicht. Man kann nur das Anfüttern von Wasservögeln (z.B. Stockenten, Reiherenten, Höckerschwänen, Blässhühnern usw.) vermeiden, die als potentielle Wirte die Wurmeier mit dem Kot ausscheiden können.

Wie kann man sich schützen?


Die mitunter empfohlenen Verhaltensregeln für Badegäste können nicht vor Zerkarienbefall schützen, sie können diesen bestenfalls vermindern. Die Wirksamkeit der Tipps ist wissenschaftlich nicht belegt.

  • Längere Aufenthalte im Flachwasserbereich oder Schilfzonen vermeiden
  • Bevorzugt in tieferen oder leicht strömenden Bereichen schwimmen
  • Wasserabweisende Sonnencremes können das Eindringen der Zerkarien erschweren
  • Nach dem Schwimmen die Badesachen zeitnah wechseln u. Körper mit einem Handtuch gut abreiben (Zerkarien trocknen schnell aus)
  • Das Füttern von Wasservögeln unterlassen
  • Warnhinweise beachten


Literatur:
  • Allgöwer, R. (1990): Die Zerkarien- oder Badedermatitis. Biologie in unserer Zeit; 144-148
  • Burkhart C.G., Burkhart C.N. Swimmer's itch: An assessment proposing possible treatment with ivermec-tin. Int J Dermatol, 2003, 42(11), 917-8 Pubmed.
  • Fischer H., Reimann H. Rezeptur gegen Badedermatitis. Pharmazeutische Zeitung, 2006, 26
  • Kimmig, P. et al. Verirrte Entenparasiten - die Badedermatitis. Deutsche Medizinische Wochenschrift 2002; 127 (31/32): 1626
  • Kimmig, P., Untersuchungen zur Zerkariendermatitis. Informationen des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg. 11/2004.
  • Müller, V., Kimmig, P. & Frank, W: (1993): Die Wirkung von Praziquantel auf Trichobilharzia (Digena, Schistosomatidae), einem Verursacher von Badedermatitiden beim Menschen. Applied Parasitology 34; 187-201
  •  Werner, St., Wenn`s im Sommer juckt und beisst. Die Badedermatitis – Arbeitsgruppe Bodensee-Ufer, AGBU, Thema des Monats August 2003

 

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