Wirtschaftlichkeit

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Wirtschaftlichkeit

 
Die Wirtschaftlichkeit von Windenergieanlagen hängt von vielen Faktoren ab, z. B. den Anlagenkosten, der Nähe zum Leitungsnetz, den Pachtkosten und dem Zinsniveau. Einen besonders großen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit hat die Windgeschwindigkeit, die erzielbare Leistung hängt von der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit ab. Das bedeutet: eine Zunahme der Windgeschwindigkeit um 10 % bewirkt bereits 33 % höhere Leistung. Da die Windgeschwindigkeit mit der Höhe zunimmt, hat sich inzwischen eine größere Nabenhöhe der Anlagen von ca. 100 - 140 m durchgesetzt. Die damit verbundenen höheren Baukosten müssen durch einen entsprechend höheren Ertrag kompensiert werden. Anlagen mit einer Leistung von 2-3 MW sind derzeit (Stand 2012) marktüblich. Der Begriff der Windhöffigkeit bezeichnet das Jahresmittel der Windgeschwindigkeit an einem bestimmten Ort in einer bestimmten Höhe über Grund. Zur übersichtlicheren Beurteilung wird die Windhöffigkeit in 12 Klassen unterteilt.

 Klasse 1 2 3 45
 67
 8 9 10 11 12
 Mittl. Windgeschw. m/s
 <4,50
 4,5-4,75
 4,75-5,0
 5,0-5,25
 5,25-5,5
 5,5-5,75
 5,75-6,0 6,0-6,25 6,25-6,5
 6,5-6,75
 6,75-7,0
 >7,0



Windhöffigkeitsklassen 1 - 12

Die im Windatlas Baden-Württemberg dargestellten Windhöffigkeiten basieren auf einer detaillierten, räumlich hoch aufgelösten Modellrechnung. Tages- und jahreszeitliche Schwankungen können dabei nicht berücksichtigt werden. Die dargestellten Ergebnisse liefern somit einen guten ersten Überblick über die Windverhältnisse in Baden-Württemberg (mit Unsicherheit von rechnerisch +/- 0,2 - 0,5 m/s). Der Windatlas ist kein Ersatz für ein akkreditiertes Windgutachten, das für einen spezifischen Standort zu erstellen ist.

Für die Standortbeurteilung von Windenergieanlagen spielt auch die technische Infrastruktur eine erhebliche Rolle. Neben der Erschließung durch Wege und Straßen ist ein adäquater Zugang zum Stromnetz in ausreichender Nähe notwendig. Bei weiterhin raschem Zubau von Anlagen rückt die Frage der Abnahmekapazität des Stromnetzes zu Spitzenzeiten und der Speicherung des stark fluktuierenden Windstroms in den Vordergrund.

Ein gutes Maß für die Beurteilung der Tauglichkeit eines Standortes für den Betrieb von Windenergieanlagen stellt der im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) definierte Referenzertrag dar. Bis Ende 2011 war ein Jahresertrag für die Windenergieanlage(n) am Standort von mindestens 60% in Bezug auf einen im EEG definierten Referenzstandort Voraussetzung für eine Stromvergütung nach dem EEG. Diese Grenze ist weiterhin ein Richtwert für die minimale Windhöffigkeit, die ein Standort bieten sollte. Je nach Anlagentyp, Turmhöhe und Höhe des Standortes über Meer ist zum Erreichen dieser Mindestertragsschwelle eine für den jeweiligen Standort ermittelte durchschnittliche Jahreswindgeschwindigkeit von etwa 5,3 m/s bis 5,5 m/s in 100 m über Grund erforderlich.

Eine Investition in ein Windenergieprojekt bedeutet in der Regel eine langfristige Kapitalbindung, welche mit einem gewissen unternehmerischen Risiko verbunden ist. Analog zu vergleichbaren Kapitalanlagen wird außerdem mit einer Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals gerechnet.

Für Investoren gilt daher meist die Ertragsschwelle von 80 % des EEG-Referenzertrags als Mindestrichtwert zum Nachweis der Wirtschaftlichkeit eines Windenergieprojektes. Dieser Mindestertrag wird in der Praxis - fast unabhängig von Anlagentyp und Nabenhöhe - erst an Standorten mit einer durchschnittlichen Jahreswindgeschwindigkeit von 5,8 m/s bis 6 m/s in 100 m über Grund erreicht.


Windatlas Baden-Württemberg
 

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