Grundwasser hat ein langes Gedächtnis

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Grundwasser hat ein langes Gedächtnis

 
Derzeitige Niedrigwassersituation hat möglicherweise Auswirkungen auf die Grundwasserstände im Sommer

Baden-Württemberg09.01.2017 Die außergewöhnlich geringen Niederschlagsmengen im vergangenen Herbst und vor allem im Dezember bereiten nicht nur der Schifffahrt Probleme, wie in der vergangenen Woche in den Medien berichtet, sondern wirken sich auch auf das Grundwasser aus.

„Die Grundwasserstände und Quellschüttungen bewegen sich zurzeit in Baden-Württemberg auf unterdurchschnittlichem Niveau. Die Tendenz ist nach wie vor rückläufig“, so die Präsidentin der LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz, Margareta Barth. „In den vergangenen 30 Jahren hatten wir zum Jahreswechsel keine vergleichbare landesweit ausgeprägte Niedrigwassersituation für das Grundwasser“, so Barth. Zwar würden sich um den Jahreswechsel an zahlreichen Grundwassermessstellen immer wieder mal Niedrigwasser einstellen, aber meist war vielerorts bereits eine Trendumkehr aufgrund der Wetterlage erkennbar, wie beispielsweise bei den Jahreswechseln 1991/92, 2003/04 und 2015/16. Diese Entwicklung zeichnet sich momentan aufgrund der vorhergesagten Niederschlagsmengen jedoch nicht ab. Die aktuelle Grundwassersituation sei vor diesem Hintergrund als außergewöhnlich und kritisch einzustufen.

Niedrigwassersituation in Baden-Württemberg kann sich auf die Grundwasserstände im Sommer auswirken

Grundwasser hat ein langes Gedächtnis. Ausgeprägte Niedrigwasserperioden hinterlassen Spuren, die für viele Monate bis hin zu einigen Jahren spürbar sein können. Es ist daher nicht auszuschließen, dass bei weiterhin unterdurchschnittlichen Niederschlägen der quantitative Grundwasserzustand möglicherweise bis weit in das Jahr 2017 hinein kritisch bleibt. Ist bis zum Frühjahr kein Grundwasseranstieg zu verzeichnen, müssen Bereiche, die vornehmlich durch kleine Quellen mit kleinen Einzugsgebieten versorgt werden und nicht an Fernwasserversorgungsnetze angeschlossen sind, mit beträchtlichen Versorgungsschwierigkeiten ab diesem Sommer rechnen. Dies betrifft voraussichtlich vor allem Bereiche, die bereits im sehr heißen Sommer 2015 davon betroffen waren, also Streusiedlungen und Einzelgehöfte im Hochschwarzwald sowie teilweise auf der Schwäbischen Alb und im Kraichgau.

Verlauf der Niedrigwassersituation in Baden-Württemberg

Nachdem im Mai und Juni 2016 wiederholt extrem heftige Starkregen aufgetreten sind, gab es in den Folgemonaten bis einschließlich Oktober deutliche Niederschlagdefizite in Baden-Württemberg. Je nach Monat fielen nur zwischen 56 % und 77 % des durchschnittlichen Niederschlags.
In den ersten drei Novemberwochen 2016 lag die Niederschlagsmenge dann im Rahmen, seitdem ist die Witterung jedoch außergewöhnlich trocken. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes war der Dezember 2016 der trockenste Dezember in Baden-Württemberg seit 1963. Es fielen lediglich 8 % des monatlichen Durchschnitts an Niederschlag. Im schweizerischen Mittelland war der Dezember 2016 mit nur 2 % des monatlichen Solls sogar der trockenste Dezember in den letzten 150 Jahren (Quelle: Meteoschweiz).
Die im Zeitraum vom 4. bis 8. Januar 2017 gefallenen Niederschläge wurden bisher nicht abflusswirksam, da sie in weiten Teilen des Landes als Schnee gespeichert sind. (Siehe Grafik: Berechnete Schneehöhe für Baden-Württemberg und das schweizerische Rheingebiet, Stand: Sonntag, den 8. Januar 2017).

Grafik: Berechnete Schneehöhe für Baden-Württemberg und das schweizerische Rheingebiet, Stand: Sonntag, den 8. Januar 2017)


Hintergrundinformation

Grundwasserstände und Quellschüttungen (GuQ) in Baden-Württemberg

Die Webseiten GuQ ist eine Dienstleistung der LUBW im Rahmen des Grundwasserüberwachungsprogramms Baden-Württemberg, die eine fortlaufende Dokumentation und eine monatliche Berichterstattung über die quantitativen Grundwasserressourcen ermöglicht. Hier finden Sie Zustandsberichte über die aktuelle Situation der Grundwasservorräte in Baden-Württemberg sowie Messwerte an ausgewählten Stationen. Übersichtskarten und Fachinformationen ergänzen das Angebot: guq.lubw.baden-wuerttemberg.de/. Hier finden Sie auch die LUBW-Übersichtskarte „Bewertungsmessnetz Grundwasservorräte“.


Exkurs: Wasserstände und Abflüsse in Oberflächengewässern

Als Folge der trockenen Witterung liegen derzeit an rund 75 Pegeln in Baden-Württemberg die Wasserstände beziehungsweise die Abflüsse im unteren Niedrigwasserbereich. Das bedeutet, die Wasserstände sind tiefer als der niedrigste Wasserstand beziehungsweise Abfluss in einem durchschnittlichen Jahr („MNW-Wert“, mittlerer jährlicher Niedrigstwasserstand, hier bezogen auf einen Auswertezeitraum von 1981 bis 2010). Von Niedrigwasser betroffen sind besonders der Oberrhein und seine Zuflüsse, die baden-württembergische Donau sowie etliche Zuflüsse zum Neckar und zur Donau.  Nach den aktuellen Wettervorhersagen werden ab Dienstag, 10.01.2017 mäßige Niederschlagsmengen erwartet, die zur Wochenmitte hin auch in niedrigen und mittleren Höhenlagen als Regen fallen können. Ab Mittwoch dürfte sich daher die Niedrigwassersituation für die Oberflächengewässer vorübergehend entspannen.

Informationen zu den aktuellen Wasserständen in den Flüssen stehen auf der folgenden Webseite der LUBW bereit: www.hvz.lubw.baden-wuerttemberg.de/ oder über die individualisierbare App „Meine Pegel“.



Rückfragen
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW. Telefon: +49(0)721/5600-1387
E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de


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