Radioaktivitätsüberwachung

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Radioaktivitätsüberwachung

 
Alle kerntechnischen Anlagen geben – technisch nicht vermeidbar – mit der Fortluft und dem Abwasser radioaktive Stoffe in die Umgebung ab. Diese Emissionen werden sowohl vom Betreiber der Einrichtungen als auch durch die staatliche Atomaufsichtsbehörde umfassend kontrolliert und bilanziert. Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz überwacht ständig die Umgebung der Kernkraftwerke in Philippsburg und Neckarwestheim, des stillgelegten Kernkraftwerkes Obrigheim sowie der kerntechnischen Einrichtungen auf dem Gelände des Karlsruher Instituts für Technologie (früher Forschungszentrum Karlsruhe) und der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe GmbH auf den Eintrag künstlicher Radionuklide. Zu den überwachten Gebieten zählt auch die baden-württembergische Umgebung der grenznahen Kernkraftwerke Fessenheim in Frankreich und Leibstadt in der Schweiz. Seit 2002 wurden die genehmigten Abgaben an radioaktiven Stoffen mit dem Abwasser und mit der Fortluft weit unterschritten.

Im Rahmen der programmgemäßen Radioaktivitätsüberwachung gemäß der „Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung kerntechnischer Anlagen“ werden jährlich insgesamt rund 1.000 Proben genommen. Hierzu gehören Aerosole, Niederschlag, Boden, Bewuchs, pflanzliche Nahrungsmittel, Milch, Oberflächenwasser, Sedimente, Fische und Trinkwasser. Im Umfeld der kerntechnischen Anlagen einschließlich der Zwischenlager werden insgesamt ca. 220 Dosimeter zur Ermittlung der Ortsdosis ausgelegt. Bei den empfindlichen Radioaktivitätsmessungen an den Proben aus der Umgebung kerntechnischer Anlagen waren auch in den letzten Jahren Spuren künstlicher Radionuklide nachweisbar. Ihre Herkunft ist überwiegend auf die früheren Kernwaffentests und auf den Reaktorunfall in Tschernobyl zurückzuführen. Die Folgen dieses Unfalls sind auch heute, mehr als 25 Jahre danach, hauptsächlich in Form des Radionuklids Cäsium-137 in einigen Umweltmedien und in Teilen der Nahrungskette nachweisbar. Im Jahr 2008 wurde ein Sondermessprogramm zur Radioaktivitätsbelastung von Wild abgeschlossen. Das aktuelle Wild-Überwachungsprogramm wird durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg durchgeführt.

Nach der Reaktorkatastrophe im März 2011 in Fukushima wurden im Frühjahr 2011 auch in Deutschland sehr geringe Spuren künstlicher Radionuklide aus Japan nachgewiesen.

Anhand der ermittelten Radioaktivitätsgehalte kann eine unzulässige Strahlenbelastung der Bevölkerung durch die überwachten kerntechnischen Anlagen mit Sicherheit ausgeschlossen werden.

Zusätzlich zur Überwachung in der Nähe der kerntechnischen Einrichtungen wird die Umwelt kontinuierlich im Rahmen des „IMIS Integrierten Mess- und Informationssystems zur Überwachung der Radioaktivität der Umwelt“ beobachtet.

Ziel ist es, die Umwelt kontinuierlich zu überwachen, geringfügige Änderungen der Umweltradioaktivität flächendeckend schnell und zuverlässig erkennen zu können und langfristige Trends zu erfassen. An dem Routinemessprogramm sind mehr als 60 Laboratorien in Bund und Ländern beteiligt, darunter auch die LUBW.

Für die Überwachung der Radioaktivität in der Atmosphäre, in den Bundeswasserstraßen und in der Nord- und Ostsee sind kontinuierlich arbeitende Messnetze eingerichtet. Die Gamma-Ortsdosisleistung wird an mehr als 1.800 Stationen im Bundesgebiet erfasst, davon liegen ca. 220 in Baden-Württemberg (siehe „Bundesweiter Strahlenpegel BfS“).

Die LUBW ermittelt mit einem umfangreichen Messprogramm über ganz Baden-Württemberg und die Jahreszeiten verteilt, die Radioaktivität insbesondere in den Medien

  • Oberflächenwasser, Grundwasser, Bodensee sowie Sediment und Schwebstoffe aus Fließgewässern außer Bundeswasserstraßen
  • Abwasser und Klärschlamm aus Kläranlagen; Flugasche, Schlacke, feste und flüssige Rückstände aus der Rauchgaswäsche von Verbrennungsanlagen; Sickerwasser aus Hausmülldeponien; Kompost aus Kompostieranlagen
  • Gras, Blätter und Nadeln als Indikatorpflanzen
  • Messung der Bodenoberfläche vor Ort (in situ)

Daneben sind auch die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter Freiburg und Stuttgart für bestimmte Messungen verantwortlich. Sie ermitteln die Radioaktivität insbesondere in Lebensmitteln und im Trinkwasser.

Eine der wesentlichen Aufgaben von IMIS ist es, alle Ergebnisse zusammenzuführen und der Öffentlichkeit in übersichtlichen Dokumenten darzustellen. Auf den Internetseiten des BfS sind aktuelle Informationen verfügbar: www.bfs.de/DE/themen/ion/notfallschutz/messnetz/imis/imis_node.html.

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Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz :