Straßenlärm

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Straßenlärm

 
Autobahn bei Nacht, Quelle: Büro SpiessKeine Ruhe vorm Verkehr
Egal ob in der Stadt oder auf dem Land – überall verfolgt uns der Verkehrslärm. Baden-Württemberg hat nicht nur hausgemachte Verkehrsströme zu bewältigen, sondern ist auch ein Brennpunkt des europäischen Transitverkehrs. Kein Wunder, dass sich knapp 60 Prozent der hiesigen Bevölkerung durch Straßenverkehr belästigt fühlen, etwa 12 Prozent davon stark oder äußerst stark. Trotz dieser hohen Betroffenheit tun sich alle Beteiligten schwer mit Konzepten für eine nachhaltige Lärmminderung. Vielleicht wissen wir, dass wir nicht nur Lärmopfer, sondern als Autofahrer und Reiseweltmeister auch „Täter“ sind. So würden harte Maßnahmen zur Lärmvermeidung unsere Mobilität einschränken. Wer aber starkem Verkehrslärm ausgesetzt ist, will nur eines: mehr Ruhe.

Motorräder nerven am meisten
Kraftfahrzeuge sind je nach Fahrzeugart, Betriebsweise und Fahrbahneigenschaften unterschiedlich laut. Der Ruhigste unter den (motorbetriebenen) Fahrzeugen ist der Pkw. Viel Lärm machen die Brummis: Im Durchschnitt ist ein Lkw bei Tempo 50 so laut wie zwanzig Pkw. Ähnlich verhält es lärmarmen und herkömmlichen Lastkraftwagen. Starke Ruhestörer sind die Motorräder: Ihr Dröhnen und Röhren sind für uns lästiger als die Geräusche schwerer Lkws.

Das Motorengeräusch ist allerdings nur beim Anfahren, Beschleunigen und bei niedriger Fahrgeschwindigkeit pegelbestimmend. Spätestens ab 50 Stundenkilometern tritt der Reifenlärm in den Vordergrund. Welches Geräusch bestimmend ist, hängt aber auch von der Gangwahl ab. Grundsätzlich gilt: Je höher der Gang, desto leiser arbeitet der Motor und umso mehr fällt der Reifenlärm ins Gewicht. Auch bei den Lkws sind die Rollgeräusche auf der Überholspur. Hinzu kommt, dass auf Fernstraßen meist Last- bzw. Sattelzüge mit der doppelten Anzahl von Reifen unterwegs sind.

Als Lärmquellen sind also Fahrbahnbelag und Reifen zu beachten. Die Art der Straßenoberfläche spielt dabei eine große Rolle. So ist das hübsche Kopfsteinpflaster mehr als 10 dB(A) lauter als ein glatter Asphalt. Optimal ist es, wenn der Fahrbahnbelag möglichst wenig Rollgeräusch verursacht und gleichzeitig den Schall möglichst wirkungsvoll absorbieren kann.

Reifen sind unterschiedlich laut
Die derzeitigen Reifentypen unterscheiden sich hinsichtlich Rollgeräusch, Rollwiderstand und Gewicht zum Teil erheblich. Doch leider kann der Verbraucher nicht erkennen, welche Reifen vorbildlich leise sind. Denn die Reifenhersteller ignorieren bislang das vom Umweltbundesamt geschaffene Zeichen „Blauer Engel“ für „Lärmarme und kraftstoffsparende Kraftfahrzeugreifen“. Allerdings informieren alljährliche Reifentestberichte der Auto- und Testzeitschriften über die Lärmemission der jeweiligen Reifentypen. Auch das Umweltbundesamt veröffentlicht immer wieder solche Messwerte.

Bereits seit Anfang der 70er Jahre bemüht sich der Gesetzgeber, insbesondere die Lkw leiser zu machen. So wurden die zulässigen Grenzwerte für Lkw der Leistungsklasse über 150 kW schrittweise von 92 auf heute 80 dB(A) heruntergefahren. Bei den Pkw fiel der zulässige Grenzwert von 84 dB(A) im Jahre 1970 auf nunmehr 74 dB(A). Doch ruhiger ist bei uns deswegen nicht geworden. Schließlich werden umweltpolitische und technische Erfolge sofort wieder von der ständig steigenden Verkehrsflut überrollt. Noch hat die Ruhe keine Vorfahrt.

Wie bitte?
  • Die Formel für lärmbewusste Autofahrer lautet: weniger und gleichmäßiger fahren.
  • Weniger: Im Stadtverkehr ist das Fahrrad bis fünf Kilometer das schnellste und selbstverständlich auch das ruhigste Verkehrsmittel.
  • Gleichmäßiger: Fahren Sie mit niedrigen Motordrehzahlen (hohen Gängen) und verzichten Sie auf unnötiges Beschleunigen. Das gilt vor allem für Motorradfahrer! Mit niedrigen Drehzahlen betrieben, müssten Motorräder nicht lauter sein als ein durchschnittlicher Pkw.
  • Kavalierstarts sind definitiv out. Versetzen Sie sich doch einfach einmal in die Rolle der Anwohner.
  • Informieren Sie sich beim Reifenkauf in den gängigen Test- oder Autotestzeitschriften. Lärmarme Reifen sind nicht teurer als laute und außerdem sparen sie noch Kraftstoff.
  • Noch eine Bitte an die Verkehrsplaner: Verkehrsberuhigungsmaßnahmen sollten den Verkehr beruhigen und den Fahrer nicht zu immer neuen Brems- und Beschleunigungsmanövern zwingen.

Roll- und Antriebsgeräusch eines Pkw bei der Geschwindigkeit 50 km/h

GangGeräuschartEmissionspegel in dB(A)
2. GangRollen68,8
 Antrieb71,5
 Gesamt73,4
   
3. GangRollen68,4
 Antrieb64,4
 Gesamt70,0
   
4. GangRollen68,8
 Antrieb59,0
 Gesamt69,2
Quelle: LUBW

Tempo 30 macht den Verkehr leiser
Welche Auswirkungen die Absenkung der Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h auf die Schallimmission hat, wurde von der Fachhochschule Jena bei verschiedenen Fahrzeugtypen untersucht. Ergebnisse der Untersuchung fasst die folgende Abbildung zusammen.

Schallimmissionen bei 30 km/h und 50 km/h

Quelle: Fachhochschule Jena, 2010. Grafik: LUBW


 

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