Lärmbetroffenheit

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Lärmbetroffenheit

 
Lärm stellt in Baden-Württemberg das wichtigste lokale Umweltproblem dar. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung fühlt sich durch Lärm nicht nur geringfügig belästigt. Der Anteil hoch belästigter Personen, die den Grad der Belästigung mit "stark" oder "äußerst" angeben, beträgt knapp neun Prozent. In der öffentlichen Wahrnehmung stehen als weitere wichtige Umweltprobleme der Flächenverbrauch, die Strahlung durch Mobilfunk sowie Veränderungen des Klimas im Vordergrund. Dies sind die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung, die im Sommer 2004 im Auftrag der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg durchgeführt wurde. An der Befragung haben landesweit rund 1 000 Personen teilgenommen. Eine gleichartige sozialwissenschaftliche Untersuchung war in Baden-Württemberg bereits einmal im Jahre 1999 durchgeführt worden.

Im Vergleich zum Jahr 1999 ist der Anteil lärmbelästigter Personen insgesamt von 28,8 Prozent geringfügig auf 27,3 Prozent gesunken. Der Anteil hoch belästigter Personen ist jedoch von 6,6 auf 8,7 Prozent, also um mehr als zwei Prozent angestiegen. Der Anteil der Menschen, die sich 1999 überhaupt nicht (42,8 Prozent) oder nur geringfügig (28,4 Prozent) durch Lärm belästigt fühlten, hat sich 2004 ebenfalls geringfügig erhöht (44,5 bzw. 28,1 Prozent).
Bei der Betrachtung der unterschiedlichen Lärmquellen ergibt sich ein differenziertes Bild. Die stärkste Belästigung geht nach wie vor vom Straßenverkehr aus. Hiervon fühlen sich 31,7 Prozent der Befragten mittelmäßig, stark oder äußerst belästigt. Danach folgen der Flugverkehr (18,6 Prozent), laute Nachbarn (14,4 Prozent) und der Schienenverkehr (11,3 Prozent). Von Gewerbe- und Industrieanlagen sowie Sport- und Freizeiteinrichtungen gehen hingegen vergleichsweise geringe Belästigungen aus (6,5 bzw. 3,5 Prozent). Auffällig ist der Anstieg der Belästigung durch den Schienenverkehr. Gegenüber der letzten Erhebung vor fünf Jahren hat sich dieser Wert fast verdoppelt. Insgesamt treten die größten Störungen durch Lärm im Außenbereich, also auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten auf. Die Befragten fühlen sich dort sowohl in ihrer Ruhe als auch bei Unterhaltungen durch den Lärm gestört. Störungen der Ruhe im Innenbereich, gefolgt von Kommunikationsstörungen innen sowie Schlafstörungen sind weniger deutlich ausgeprägt. Maßnahmen, die zu einer Verringerung der Lärmbelästigung führen, werden von einem großen Teil der Bevölkerung als dringlich eingestuft. Sie sollten vorrangig beim Straßenverkehrslärm ansetzen, da hier das Lärmproblem am gravierendsten ist. Die Betroffenen selbst schlagen an erster Stelle veränderte Straßenführungen, Lärmminderungen an der Quelle sowie Geschwindigkeitsbegrenzungen vor, um die Belästigungen zu vermindern.

Die Lärmbetroffenen wünschen sich eine stärkere Einbindung und Beteiligung bei lärmrelevanten Entscheidungen. Maßnahmen, die zur Verbesserung der Lärmsituation ergriffen werden, sollten öffentlich besser vermittelt werden. Ein Ergebnis der Untersuchung war auch: Die empfundene Lärmbelästigung ist geringer, wenn dem für die Lärmquelle Verantwortlichen ein ehrliches Bemühen um Verbesserung der Situation zugetraut wird. Vertrauensbildende Maßnahmen tragen also das Potenzial in sich, unabhängig von der tatsächlich erreichten Verbesserung einer Lärmsituation zur Reduktion der Lärmbelästigung beizutragen.

Im Bereich der Verantwortungszuschreibung für mehr Ruhe im eigenen Wohngebiet hat es eine interessante Veränderung gegenüber der Untersuchung im Jahr 1999 gegeben: Der Anteil derjenigen Personen, die die Autofahrer selbst als Lärmverantwortliche sehen, ist im Jahr 2004 um knapp 10 Prozent gesunken. Dafür wird den kommunalen Behörden mehr Verantwortung zugeschrieben. Beim Schienenverkehrslärm verhält es sich genau umgekehrt: Hier ist der Anteil der Personen, die die Deutsche Bahn AG als Hauptverantwortliche sehen, um 11 Prozent gestiegen. An zweiter Stelle der Hauptverantwortlichen stehen dann aber nicht mehr die öffentlichen Verkehrsunternehmen (deren Anteil im Jahr 1999 bei 17,7 Prozent lag), sondern der Staat bzw. die Regierung mit einem Anteil von 13 Prozent.


Subjektive Belästigung der Bevölkerung von Baden-Württemberg

Subjektive Belästigung der Bevölkerung von Baden-Württemberg durch verschiedene Lärmquellen (Quelle: LfU, Stand 2004)

Seit dem Frühjahr 2002 erhebt das Umweltbundesamt in einer Online-Befragung bundesweit und kontinuierlich Belästigungswerte für Lärm. Auch deren Ergebnis ist eindeutig: Lärm bleibt in ganz Deutschland ein Problem. Vor allem der Straßenverkehr zerrt an den Nerven. Aber auch Nachbarschaftslärm ist für die meisten Teilnehmer an der Befragung ein ernst zu nehmendes Problem. Ursache hierfür ist häufig ein unzureichender Schallschutz in den Wohnhäusern: Von denen, die direkte Nachbarn haben – das sind rund 80 Prozent – können nur etwa zehn Prozent ihren Nachbarn nicht wahrnehmen; die anderen hören zwangsweise mit. Die Lärmumfrage des Umweltbundesamtes wird derzeit noch weitergeführt. Der jeweils aktuelle Stand der Auswertung ist online im Internet unter der Adresse www.umweltbundesamt.de/laermumfrage/ abrufbar.
 

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