Klimawandel: Blüte bei Frühjahrsblühern setzt immer früher ein

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Klimawandel: Blüte bei Frühjahrsblühern setzt immer früher ein

 
Beobachtungen ab 1830 belegen eine Verschiebung um bis zu 30 Tage

Baden-Württemberg21.03.2011 Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Pflanzenwelt sind umfangreicher als bisher bekannt. Langzeitbeobachtungen bei Frühjahrsblühern belegen eine Vorverlagerung des Blühbeginns nicht nur für die letzten Jahrzehnte. Die Auswirkungen betreffen Wild- und Nutzpflanzen. Aus dieser Entwicklung erwachsen sowohl Chancen als auch Risiken.

Seit Jahren befasst sich die LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg intensiv mit phänologischen Veränderungen in der Natur, das heißt mit der Beobachtung von Entwicklungsphasen bei Tieren und Pflanzen. „Neue Auswertungen sehr langer phänologischer Zeitreihen ab dem Jahr 1830 in Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim haben ein unerwartetes Ergebnis gebracht“, sagte
LUBW-Präsidentin Margareta Barth. „Es hat sich gezeigt, dass im Vergleich zu 1830 der Blühbeginn heute bei der Schlehe rund 30 Tage und beim Schwarzen Holunder etwa 25 Tage früher einsetzt. Die Vorverlagerung der Blühtermine ist danach nicht alleine auf die letzten Jahrzehnte beschränkt, wenngleich diese Entwicklung in den zurückliegenden 20 Jahren stärker ausgeprägt war“.

Eine verlängerte und wärmere Vegetationsperiode kann positive und negative Folgen für die Pflanzenwelt mit sich bringen. Der Anbau von Obstgehölzen, die ein wärmeres Klima bevorzugen, wie Pfirsich, Aprikose und Birne, sowie von spät reifenden Rebsorten kann ausgedehnt werden. Auch der Anbau anderer Nutzpflanzen wie Mais kann zukünftig in Regionen stattfinden, in denen dies aus klimatischen Gründen bisher nicht möglich war. Gefahren bestehen allerdings durch Spätfroste. So können z. B. die frühen Blüten empfindlicher Obstgehölze Schaden nehmen.

Der offizielle, astronomische Frühlingsbeginn fällt bei uns auf den 21. März. Denn nach den Berechnungen der Astronomen sind an diesem Frühlingsdatum Tag und Nacht gleich lang. Da sich die Natur außer an der Tageslänge vor allem an den Temperaturverhältnissen orientiert, fällt der phänologische Frühlingsbeginn nicht immer mit dem offiziellen Frühlingsbeginn zusammen. Deutlich sichtbare Anhaltspunkte für den Anstieg der Temperaturen sind die Veränderungen des Eintrittszeitpunktes von phänologischen Phasen wie Blattaustrieb, Blühbeginn und Blattfall. So stehen Schneeglöckchen- und Haselblüte für den Vorfrühling, der Blühbeginn von Forsythie und Birne für den Erstfrühling und schließlich signalisieren die ersten Blüten von Apfel und Flieder den Vollfrühling.

Für Baden-Württemberg konnte aus den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes festgestellt werden, dass sich Blüte und Blattentfaltung im Frühjahr bei einigen Arten um drei bis fünf Tage pro Dekade verfrühten. Zudem verlängerte sich die Vegetationsperiode im Landesdurchschnitt um mehr als eine Woche. Im Vergleich der Zeiträume 1961 - 1990 und 1991 - 2009 haben sich die Blühphasen von Kornelkirsche‚ Schwarz-Erle, Hasel, Esche‚ Schlehe und Schwarzem Holunder um mindestens 10 Tage verfrüht.

Zusatzinformation:
Anhand der Auswertung solcher Zeitreihen wird deutlich, wie wichtig langfristige Naturbeobachtungen zur Erfassung der Folgen des Klimawandels sind. Daher untersucht die LUBW seit 2007 in einem weiteren Projekt im Murgtal die Apfelblütenentwicklung in Abhängigkeit von der Höhenlage. Die Kernfrage ist auch hier, inwieweit der offizielle (astronomische) und der phänologische Frühlingsbeginn inzwischen auseinanderdriften. Darüber hinaus dient das gemeinsam mit dem Südwestrundfunk (SWR, Redaktion Planet Wissen) durchgeführte Projekt auch zur Information der Öffentlichkeit über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Natur.



Rückfragen
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle der LUBW.
Telefon: +49(0)721/5600 -1300
E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de

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